Vor der Ausreise…

Das letzte Wochenende mit der Familie, das letzte Mal gemeinsam am Frühstückstisch, das letzte Mal ins Lieblingsrestaurant, die letzte Feier mit meinen Freunden, die letzte Heimfahrt mit dem Fahrrad und das letzte Mal einen Text an meinem Schreibtisch in den PC eingeben…
Auch wenn es „nur“ das letzte Mal für ein Jahr ist, so überrumpelt mich das Realisieren dieser Tatsache in diesen letzten Tagen hier sehr. Natürlich war ich mir meiner Ausreise schon im Winter bewusst, jedoch habe ich mich mental bis vor ein paar Tagen nicht richtig darauf einstellen können. Meinen wohl verdienten langen „post-Abi“-Sommer habe ich in vollen Zügen genossen und werde viele tolle Erinnerungen mit nach Kambodscha nehmen. Und nun, am Ende der Sommerferien, wenn viele vom Urlaub wieder nach Hause kommen, geht es für mich erst richtig los.
Beim Gedanken an meine Ausreise, war ich in den letzten Monaten eher entspannt, zufrieden und zuversichtlich. Aber jetzt, 2 Tage vor dem Flug spüre ich doch etwas von der schon länger erwarteten Nervosität.

 


Vielleicht liegt das meiner Meinung nach recht späte Eintreffen dieser Aufregung ja an der Tatsache, dass ich so einige Sachen recht weit aufgeschoben habe und somit ein bisschen Stress dazu kommt aber auch an der sehr zufriedenstellenden Vorbereitung, die ich bei Brot für die Welt erfahren habe : Das 17 tägige Vorbereitungsseminar in Berlin hat uns 28 Freiwillige, die von Brot (ja, bei BfdW wird sehr vieles abgekürzt und so werde ich in Zukunft sicher auch von „Brot“, statt von „Brot für die Welt“ schreiben) dieses Jahr ausgesendet werden, sehr viel Input gegeben. Behandelt wurden neben organisatorischem Kram (Versicherung, Begleitstrukturen, Ärztliche Untersuchungen etc.) außerordentlich interessante und leider manchmal auch unterbewertete „Themen“ wie: Vielfalt, Identität, Rassismus, Kolonialismus (!), Ökologie, Religionen, Privilegien, Rollen, Gewalt, Gender, Kinderschutz, „Notfallkoffer“ und Kinderschutz. (So etwas sollte auf den Lehrplan!) Einiges davon werde ich sicherlich in kommenden Blogs noch einmal aufgreifen und vielleicht mit meinen Erfahrungen verknüpfen können.
Hervorzuheben gilt an dieser Stelle wirklich die Professionalität und die authentisch-sympathische Begleitung von Seiten des Werks, die das Seminar sehr angenehm machten. Gerade die ehemaligen Freiwilligen haben uns nicht nur total Lust auf das kommende Jahr gemacht, sondern auch das Gefühl vermittelt, bei Brot in einer klasse Organisation gelandet zu sein.
Auf der anderen Seite war das Seminar natürlich auch eine große Kennenlernveranstaltung. Dafür, dass wir 28 Freiwillige zweieinhalb Wochen auf einem Haufen saßen, kamen wir erstaunlich gut miteinander klar. Freundschaften wurden geknüpft und die einzelnen Ländergruppen kristallisierten sich heraus. So auch meine Cambodia-Crew:

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Von links nach rechts: Ich, Lea, Theresa, Pauline, Maxim, Tien, Raphael

 

Mit ihnen werde ich übermorgen fliegen und auf jeden Fall die ersten 4 Wochen in Phnom Penh verbringen. Ob, wie, wer, wo zusammenwohnt, wissen wir alle noch nicht, aber voraussichtlich wird es eine WG in der Hauptstadt geben, zu der jeder immer Zugang hat. Ansonsten kann es gut sein, dass ich für mehrere Wochen oder Monate in Provinzen leben werde. Das sind wohl Sachen, die sich in den nächsten Blogeinträgen offenbaren werden.


Auch möchte ich den ersten Eintrag nutzen, um mich ganz herzlich bei allen Spendern, Unterstützern und Interessierten zu bedanken! Das „Spendenbetteln“ war mir anfangs meist unangenehm und nicht gerade der liebste Teil meiner Vorbereitung. Jedoch hat sich das gegen Ende ein bisschen verschoben. Denn das Aufsuchen von Spendern hat einen ganz entscheidenden Mehrwert, wie ich festgestellt habe. Zum einen fördert dieses Konzept von weltwärts (dass man als Freiwilliger nichts bzw. sehr wenig aus eigener Tasche für den Freiwilligendienst zahlen muss, sondern sich einen Spendenkreis aufbaut, der die Entsendeorganisation finanziell stützt – ohne dass ein bestimmter Betrag zwangsweise erreicht werden muss) die Chancengleichheit der sich Bewerbenden, da soziale Hürden vermindert werden. Zum anderen sorgt es dafür, dass man sich auf kurz oder lang engagieren muss. Es findet Austausch statt, man kommt ins Gespräch und schafft schon vor dem eigentlichen Jahr Raum für spätere Zusammenarbeit. Quasi eine Vorbereitung auf das, was danach kommt. Und mir persönlich macht es auch immer wieder Spaß Interessierten von meinem Vorhaben zu berichten.


Und wenn ich schon dabei bin, dann danke ich hiermit auch allen anderen, die mich bis hier her begleitet haben. Dabei denke ich an meine Freunde aus Brandenburg (Dullis/JG & Co.) und vor allem meiner Familie! Ohne euch wäre ich jetzt sicher nicht an diesem Punkt angekommen (vielleicht hätte ich das ohne euch nicht so lange aufgeschoben und wäre schon längst fertig mit dem Blog…). Aber ganz im Ernst, Danke!


Und wie geht es jetzt weiter mit dem Blog bzw. der Website? Also ich hoffe die nächsten Blogeinträge wirken weniger gezwungen, wenn ich dann wirklich mal etwas zu erzählen habe, was auch spannend und neu ist. Ich habe vor, noch einige Themen etwas genauer abzuarbeiten und natürlich auch einen regelmäßigen Blog zu führen. Mit besonders vielen hübschen Bildern :). Wer weiß, vielleicht sieht man darauf dann ja das erste Wochenende mit meiner Gastfamilie, das erste Mal gemeinsam am Frühstückstisch, das erste mal ins kambodschanische Restaurant, die erste (Hochzeits-?)Feier mit neuen Freunden, die erste Fahrt zur Arbeit mit dem Fahrrad und das erste Mal einen Text an einem kambodschanischen Schreibtisch in einen anderen PC eingeben…

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