Orientierung in fremder Umgebung

21. August

Nach einer angenehmen Nacht wache ich ein zweites Mal in Phnom Penh auf. Meiner Grundeinstellung folgend, werde ich diese erste Woche einfach auf mich zukommen lassen. Genau wie das Jahr generell, von dem ich noch keine wirklich konkrete Vorstellung habe. Ich muss mich also erstmal orientieren.
Zum Frühstück teilen die Mädels einige Früchte vom Markt mit mir (sehr lecker!). Dann wieder zum Seminarraum und eine kleine Einheit zu Aufgaben vom Volunteer und den Mentor*innen, bevor uns drei interessante Menschen besuchen. Sie stellen uns ihre ziemlich aktive Menschenrechtsorganisation vor und machen uns eindrücklich klar, was gerade politisch so schief läuft. Doch besonders beeindruckt mich die Direktorin, die wohl auch internationale Lobbyarbeit betreibt; Sie wirkt professionell, erfahren, klug,  selbstbewusst, realistisch und trotzdem wild entschlossen etwas zu verändern. Am Ende komme mir fast etwas blöd vor, dass diese wichtige Person irgendwelchen Freiwilligen Zeit spendet, statt Bedeutenderes zu erledigen.
Anschließend folgen „Dos & Donts“ und eine Tanzstunde. Lim zeigt uns kambodschanische Tänze! Und im Vergleich zu meinen missglückten Versuchen europäische Tänze zu erlernen, meine ich, diese hier ganz gut hinzubekommen (gut, dass ich hier nur meine eigene Wahrnehmung aufschreibe).
Zu Besuch bei Jule und To lassen wir den Abend ausklingen. Wir kennen die beiden vom Ausreiseseminar in Berlin, wo sie ihren Urlaub verbrachten.

 


Und einmal zur Info im Allgemeinen:
Brot für die Welt hat verschiedene Ansprechpartner für uns organisiert:  Es gibt eine*n länderspezifische*n Referent*in in Deutschland, der direkt bei Brot für die Welt arbeitet. Diese*r Referent*in ist jedoch die letzte Instanz – eigentlich für Notfälle. Denn es gibt Lim, unsere Landesmentorin. Sie ist ebenso für alle Freiwilligen in Kambodscha zuständig und besonders in der erste Woche für uns   verantwortlich, denn sie organisiert das Orientierungsseminar. Zu ihr können wir mit Problemen kommen, die wir mit unseren Lokalmentor*innen nicht lösen können. Das sind nämlich unsere ganz persönlichen Ansprechpartner*innen, die in der jeweiligen NGO angestellt sind, in der wir arbeiten.


22. August

Heute dreht sich alles um die NGOs (Non-governmental organisations), in denen wir arbeiten werden. Wir treffen unsere Lokalmentor*innen. Also alle, außer Maxim, Raphael und mir. Bei den beiden kommt überhaupt keiner, weil irgendetwas schief gelaufen ist und bei mir kommt Sam, die Vertretung für die verhinderte Sitha, meine eigentliche Mentorin. Einer nach dem anderen hält nun eine Präsentation zu der jeweiligen NGO. Vorm Essen gibt es noch kurze persönliche Gespräche mit den  Mentoren bzw. mit Sam, in dem ich erfahre, was eigentlich für mich in diesem Jahr geplant ist.
Um noch mehr in Kontakt mit unseren Einsatzstellen zu treten, fährt danach jeder mit seinem Begleiter ins jeweilige Office. Dazu, und zu meiner Organisation kommt später noch mehr in einem anderen Eintrag.
Nachdem wir also einen Einblick in unser späteres Umfeld haben durften, gehen wir noch mit Lim auf dem Toul Tum Poung Market (auch Russian Market genannt und direkt bei uns um die Ecke). 10 kg Reis für die WG sollten erstmal reichen…

 

23. August

Heute wird Phnom Penh besichtigt! Eine Stadtrundfahrt, auf die ich mich schon gefreut hatte. Von einem Van werden wir vor unserem Apartment abgeholt und machen einen Abstecher zur Sprachschule, damit wir wissen, wo wir nächste Woche hin müssen. Guide einsacken und ab in die Innenstadt. An Hun Sens (Premierminister) riesigen Villa vorbei zur großen Sihanoukstatue (Ehemaliger König im 20. Jhd.). Außer einer Schulklasse sind wir jedoch die einzigen dort.
Als Platz ist, stellen wir uns davor und lassen uns vom Guide fotografieren. Doch da ist noch jemand, der Fotos von uns macht. Da es hier jedoch keine Seltenheit ist, dass man einfach viel fotografiert wird bzw. die Menschen hier anders zum Recht am eigenen Bild stehen, denken wir uns nichts dabei. Erst als der Mann uns beim Einsteigen ein ausgedrucktes A4 Bild vor die Nase wedelt, verstehen wir. Etwas erstaunt, dann seufzend kaufen wir ihm das Ding ab, was später unsere Küche dekorieren wird.
An großen Hotels und Kasinos vorbei zur Riverside, in den großen Tempel Wat Ounalom und ins Nationalmuseum . Welches, wie ich finde, seinen kulturellen Schätzen und der spannenden Vergangenheit Kambodschas nicht wirklich gerecht wird. (Um Fotos machen zu dürfen, muss man drauf zahlen)
Nach dem Mittagessen zum großen Central Market, um abschließend einen Abstecher zum leeren Olympiastadion zu machen.

 


Das Orientierungsseminar ist in den ersten 5 Tagen hier unser Tagesprogramm. Wir sollen über unsere eigene Einstellungen und Erwartungen reden, Organisatorisches und Fragen abklären, über das Land, die Menschen,  die „Dos/Donts“, die Politik und auch die Probleme Näheres erfahren, sowie erste Kontakte zu unseren NGOs knüpfen.
Denn nach dem Seminar und dem ersten Wochenende geht es in die nächste Phase: 4 Wochen lang besteht unser Alltag von Montag bis Freitag aus Sprachkurs am Vormittag und arbeiten am Nachmittag.
Und erst nach dieser Eingewöhnungszeit in Phnom Penh beginnt unser eigentliches Jahr, oder besser gesagt unsere 11 Monate. Je nach dem, wo wir von unserer jeweiligen NGO gebraucht werden, werden wir eingesetzt und zum Teil übers Land verstreut.


24. August

Nach erneut saftigen Obstfrühstück besteht der Vormittag aus einer Reihe von Vorträgen über Sicherheit, Gesundheit und Verkehr (Das ist gut zu wissen, aber doch wahrscheinlich auf gar keinen Fall irgendwann vielleicht relevant… oder?). Nach dem Mittagessen endet das Seminar und wir haben ein schönes Wochenende vor uns. Nachmittags schaue ich mich mit dem Mädels noch einmal im jetzt von Freizeitsportlern wimmelnden Olympiastadiongelände um, woraufhin ich mit Tien zum Sport gehe.

Doch ganz ehrlich. In dieser ersten Woche geschieht so viel mehr als nur der Tagesablauf mit dem Seminar. In mir geht so viel vor sich. Ich muss mich komplett neu orientieren in vielen Hinsichten. Dazu gehört zum Beispiel auch die Gruppendynamik und das Zusammenleben in einer WG mit 4 anderen Menschen. Klar, kennt man sich, aber gemeinsam zu wohnen, sich ein Bett zu teilen und sie jeden Tag ein bisschen näher kennenzulernen, ist nochmal etwas ganz anderes.
Ich bin auf keinen Fall unglücklich – ganz im Gegenteil, aber vielleicht ein wenig überfordert. Ich bin es nicht gewohnt ständig so viele Leute um mich zu haben. Deswegen nehme ich mir an diesem Abend ein wenig Zeit für mich, als die anderen zur Riverside fahren.
Dann lege ich mich schlafen. Fragen wurden beantwortet, andere taten sich auf. Ich habe einen ersten größeren Einblick erhalten, aber Orientierung hin oder her; Eine konkrete Vorstellung von dem, was da alles auf mich zukommt, habe ich nicht. Und das finde ich ja auch am besten!

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