Von Tourist zu Alltag

Wie es wohl sein wird, den ersten Monat hier zu leben – immer weniger wie ein Tourist, immer mehr wie ein „Expat“ (wie die hier lebenden Ausländer genannt werden). Sich einleben in diese so sehr andere Umgebung, in eine Großstadt und vielleicht sogar in einen völlig neuen Alltag…
Beim ersten samstäglichen Ausschlafen bleibe ich so lange im Bett, bis mich das Licht und die Hitze heraustreiben. Für mich steht heute fest: Blogeintrag schreiben. Und da ich keinen Laptop dabei habe, suche ich bei Google Maps nach einem Internetcafé in der Nähe. Nach einer halben Stunde sitze ich zwischen skeptisch schauenden Teenagern, fahre den PC hoch und werde mir bewusst, dass Google und ich eine etwas andere Auffassung eines „Internetcafés“ haben. Die Schreie der Fortnite, League of Legends und PUBG Spielenden, sowie die Fragen verwirrter Vorbeilaufender, was ich denn da mache, können die Kopfhörer gut übertönen und nach einigen Stunden verlasse ich etwas irritiert das Gaming Café. 
Den Rest des Tages verbringe ich in großen Supermärkten, die mich auf unbeschreibliche Art hier ähnlich fesseln, wie die Straßen und Märkte. Als ich zurückkomme, erbringen Pauline und ich unsere erste große wissenschaftliche Leitung, indem wir nach einiger Zeit die Waschmaschine erfolgreich starten.
Am Sonntag misten wir mal ordentlich die Küche aus, bevor wir uns nochmal ein ganz anderes Bild von Phnom Penh machen. Auf einer Sky Bar bestellen wir bescheiden das billigste Trinken und genießen die Erdnüsse. Natürlich auch den Ausblick.

27. August (bis 28. September)

Nun beginnt also die „Sprachkurs-Phase“. Nach dem Frühstück zur nahe liegenden Sprachschule, bei der uns 3 Lehrer die kommenden 4 Wochen unterrichten werden. Jeden Tag von 9:30 – 12:00 Uhr wird gelernt, was mich als Morgenmuffel freut, jedoch auch für unbarmherzige Hitze sorgt, welche die paar Ventilatoren nur leicht mindern. 
Danach holen wir uns Mittagessen vom Russian Markt, der auf dem Weg nach Hause liegt. Um ca. 13:30 stürze ich mich mit dem Fahrrad dann in den Verkehr, um den ersten Tag im Büro bei meiner NGO Mlup Baitong zu verbringen.
Dort werde ich von denen, die mich schon kennen, empfangen und ich lerne meine Mentorin Sitha kennen, die mir – ähnlich nervös und aufgeregt wie ich – ein paar kleine Geschenke macht. Nachdem ich die Khmer Sprachbücher weggesteckt habe, hält sie mir eine kleine Präsentation, stellt mir Mitarbeiter vor, mit denen ich in Zukunft wohl mehr zu tun haben werde und bespricht mit mir meine Aufgaben in diesem Jahr. Das ist alles so spannend, das ich einen eigenen Eintrag dafür vorgesehen habe und Euch jetzt nicht mit Kleinigkeiten nerven will. 
Mein Arbeitstag dauert so bis ca. 17:30 Uhr (so eng wird es beim Volunteer nicht gesehen) und danach tauschen wir Freiwilligen uns in gemäßigter Stimmung aus (Ich glaube wir waren alle einfach etwas fertig und ein bisschen überrannt mit so viel Neuem). Meine und Tiens Laune verbessert sich jedoch stark nach dem abendlichen Sport und anschließendem Abendessen auf dem Markt.

Im groben verlaufen so oder ähnlich auch die anderen Tage dieser Woche; Sprachkurs, Mittagspause, Mlup Baitong, abends Sport oder zuhause. Und plötzlich ist schon wieder Wochenende. 

Kurzerhand werde ich im Office gefragt, ob ich nicht mit Sam (dem Admin, mit dem ich in der letzten Woche einiges zu tun hatte) übers Wochenende nach Chambok wolle. Ich sage zu und promt geht es Freitagnachmittag auf in meine erste kleine Provinzerfahrung (Was Chambok überhaupt ist und wieso es so wichtig für meine Organisation ist, werde ich noch schreiben). 
Es ist unglaublich schön, anders als erwartet, manchmal ungemütlich, aber auch etwas zu viel für mich. Die unfassbare Gastfreundschaft und Freundlichkeit der Leute vor Ort hält mich zum Glück gut gelaunt, aber als ich am Montag zurückkomme, brauche ich erst einmal eine Menge Schlaf und Ruhe.

Die folgende Woche würde ich als durchaus „normal“ bezeichnen. Der Tagesablauf ist ähnlich, aber auf keinen Fall langweilig. Ich lerne sehr viel und bin gut ausgelastet, ohne stark überfordert zu sein. In freien Minuten erkunde ich die Umgebung, suche nach vegetarischen Restaurants oder anderem, finde sie, manchmal auch nicht und bekomme ein Gefühl für diese Straßen, für Phnom Penh (nicht zuletzt mit Hilfe Google Maps). Doch ich merke, wie ich diese Zeit sehr stark als etwas Vorübergehendes, als eine Übergangsphase betrachte und kann mich nicht voll und ganz auf das Leben hier einlassen.

Am folgenden Wochenende mache ich mich alleine mit dem Fahrrad auf, Phnom Penh zu erkunden. Mir gefällt es sehr, unabhängig diese Stadt zu entdecken, sich (inzwischen adaptiert) vom Verkehr treiben zu lassen und zwischendurch die ein oder andere Leckerei zu probieren. Leider geht es mir gegen Nachmittag und Abend gar nicht gut. Übelkeit, Magen-Darm und Kopfschmerzen, die durchaus von der schlechten Luft stammen können, der ich den ganzen Tag auf den Straßen ausgesetzt war, lassen mich den Montag zuhause verbringen.

Aber es geht weiter. Und eine gewisse Routine legt sich doch über die recht schnell vergehenden Tage. Ich bin gut gelaunt, dann wieder mal schlecht. Ich freue mich über kleine Dinge und steigere mich in banale Probleme herein. Ab und zu brauche mich meine Ruhe, ab und zu bin ich gerne mit den anderen Freiwilligen. Alles geht seinen Gang. 

Unsere neuen Nachbarn, einige VIA-Freiwillige (auch mit weltwärts hier, nur eben mit der Entsendeorganisation VIA, statt Brot), sind 2 Wochen nach uns angekommen und wir planen direkt einen Ausflug zusammen. Wir mieten wir uns gemeinsam ein Van samt Fahrer fürs Wochenende und fahren alle 12 am Freitagabend los nach Kep ans Meer.

Auch die nächste Woche folgt einem interessanten „Alltag“. In der WG wird jedoch geplant und Vorfreude gehegt; am Wochenende schmeißen wir eine Hausparty. Und wir wollen so viele Khmers wie möglich dabei haben. Es wird abgewägt, welche Kollegen man einladen könne, in wie fern es angebracht wäre und ob sie überhaupt Lust zu so etwas hätten. Nach einem langen Samstag der Vorbereitung; Salz, statt Lauge in den Brezeln; einem sonst riesigen Buffet; einem ausgearbeitetem Programm, um die Party in Gang zu bringen und einer Menge Spaß warten wir auf die ersten Gäste. Nach und nach füllt sich unsere Wohnung und am Ende sind wir doch einige Leute. Alle sind etwas zurückhaltend, schüchtern und nehmen nur zaghaft vom ganzen Essen. Mit Jule, To und seinen ganzen Freunden, sowie dem „Programm“, in dem musiziert wird, kommt der Abend dann doch in Gang. Zumindest, bis wir um 21:00 mit einem Haufen an Essen fast alleine sind. Allenfalls ein leckerer, lustiger, wenn auch etwas kurzer Abend.

Und damit ist die „Phase Sprachkurs“ eigentlich vorbei. Naja, doch noch nicht ganz. Ich soll nun doch erst eine Woche später auf die Provinz umziehen. Somit bleibe ich eine weitere Woche hier. Sitha bietet mir an, ich könne weiterhin vormittags zur Sprachschule gehen, weshalb ich in dieser letzten Woche einen Privatunterricht genieße. Auch gehe ich öfter mal in leckere vegetarische Restaurants, die ich gefunden habe, weil ich ein wenig Respekt vor der Provinz und ihrer Auswahlmöglichkeiten für Vegetarier habe.

Und so geht endlich die letzte Woche vorüber, die ich in der großen Stadt verbringe.
Ich habe fast so etwas wie Alltag erlebt, gute sowie schlechte Laune gehabt, gebrochenes Khmer auf dem Markt gesprochen und mich (solange ich nicht an mir hinabgeschaut habe) nicht mehr als Tourist wahrgenommen.
Aber mein eigentliches Jahr auf der Provinz, schwebte mir stets vor den Augen. Oft konnte ich mich auf diese Zeit hier nicht richtig einlassen, da es eben nur diese „Übergangsphase“ für mich war. Letztendlich hat das Ganze hier ja kaum etwas mit dem zu tun, was ich eigentlich vor habe. Trotzdem ich wohl einiges an Luxus und Bequemlichkeit hier vermissen werde, kann es also kaum erwarten, endlich umzuziehen!


Nun ist es ja doch schon ein Weilchen her, dass von mir gehört wurde. Und ohne dafür nach Erklärungen zu suchen, möchte ich das nun nachholen. Ich habe einige Ideen für diese Seite und möchte wie hier die Kategorie „Chronologisches“ dafür nutzen, einen Überblick über mein Leben hier zu geben. Was sonst noch kommt, wird man dann sehen.  

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