Aus dem Abi in die NGO

Meine Partnerorganisation „Mlup Baitong„. Vor meiner Ausreise hatte ich mich natürlich eingehend mit dieser NGO auseinandergesetzt, mir ihre Projekte angesehen und Berichte/Blogs von Vorfreiwilligen durchgelesen. Zwar hatte ich einen Überblick bekommen, aber letztendlich konnte ich mir nie wirklich vorstellen bzw. hatte nur eine ungefähre Ahnung, wie das in solch einer Organisation überhaupt alles abläuft.
Und das ist ja auch der Punkt bei der ganzen Sache; ich soll Erfahrungen sammeln, beobachten, lernen, verstehen.


Meine Vorstellung

Bevor ich meinen ersten Kontakt mit Mlup Baitong gemacht hatte, sahen meine Vorstellungen bzw. mein Wissensstand zu meinen Aufgaben dort wie folgt aus:
Nach dem Seminar und Sprachkurs in Phnom Penh würde ich auf die Provinz fahren, bei einer Gastfamilie recht einfach wohnen und größtenteils Englischunterricht geben. In den sogenannten Ökotourismusprojekten sind Freiwillige mit dem Unterrichten der Einheimischen quasi der Schlüssel, um auch internationalen Touristen an Land zu ziehen. In Chambok, dem erfolgreichsten dieser Projekte, hat das in den letzten Jahren sehr gut funktioniert und meine Vorfreiwilligen haben dort viel Zeit verbracht. Nun würde ich wahrscheinlich auch in diesen Ort hineinschnuppern, verstehen, wie das alles läuft und letztendlich aber in andere, weniger fortgeschrittene Projekte geschickt werden.
Jedoch hörte ich auch, dass Freiwillige bei Mlup Baitong gerne den Standort wechselten, verschiedene Projekte kennenlernten und durchaus auch schon einige Zeit im Büro in Phnom Penh arbeiteten. Im Großen und Ganzen stellte ich mich auf Englischunterricht, Büro- bzw. PR-Arbeit und ggf. auch physisches Anpacken und Mithelfen auf dem Land ein.


Erster Kontakt

Wie schon im „chronologischen“ Blogeintrag erwähnt, war mein erster direkter Kontakt innerhalb des Orientierungsseminars mit Sam, dem Admin. Wie auch an die einiger anderer, mit denen ich schließlich zusammenarbeite, muss ich mich an seine Englischkenntnisse erst einmal gewöhnen (Offensichtlich ist sein Englisch trotzdem unendlich viel besser als mein Khmer!). Nachdem er mich fragte, was ich denn gerne machen würde und ich ihm entgegnete, dass ich nicht so recht wisse, was es denn da für eine große Auswahl gäbe und ich da arbeiten will, wo ich am meisten gebraucht werde, kamen wir recht schnell zum Punkt: Englischunterricht auf der Provinz. Und anfangs, wenn ich sowieso in Phnom Penh bleibe, könne ich auch im Büro helfen.
Mit dieser – meinen Vorstellungen entsprechenden – Information fuhren wir das erste Mal ins Office. Es liegt nicht gerade im Zentrum der Stadt, wirkt wie eine umfunktionierte kleine Villa und entspricht nicht ganz meiner Vorstellung eines „Büros“. Etwas zurückhaltend, aber durchwegs grinsend, werde ich von einigen Frauen herzlich empfangen. Das war für mich auch das erste Mal alleine unter Kambodschaner*innen, weshalb ich versuchte mich krampfhaft an die Dos und Don’ts aus dem Seminar zu erinnern – um in keine peinlichen Fettnäpfchen zu treten. Schnell wird die Atmosphäre jedoch ausgelassen und wir kommen alle ein bisschen ins Plaudern – über Namen, Sprache, kulturelle Unterschiede etc. Das alles passierte im Sitzen und erst als ich aufstand, werde ich plötzlich zur Sensation. Nach dem Größenvergleichsfotoshooting und geknüpften Facebookfreundschaften endete mein kleines Hineinschnuppern.

Als ich am Montag meinen ersten „normalen“ halben Arbeitstag antrat, wies mich meine Mentorin Sitha also ein. Sie stellte mir auch Phearin vor, der für die Provinz zuständig ist, in die ich gehen soll und mit dem ich noch einige Zeit verbringen werde. Und nach dem Gespräch war mir ein bisschen klarer, was wohl auf mich zukommen soll: Die ersten Wochen gehe ich natürlich ins Office, werde alle/s kennenlernen und mich einlesen. Da ist alles recht flexibel und ich würde helfen, wo ich kann – gerade in Richtung PR Arbeit fehlt ihnen wohl jemand. Und dann soll ich direkt in der Provinz Pursat, in einer kleinen Community Englisch unterrichten. Möglicherweise könne ich auch beim Bau der Wasserleitungen mithelfen, die dort verlegt werden sollen. Zudem bekomme ich für das Jahr einen Laptop und später auf der Provinz auch ein Moto gestellt.
Damit war ich echt zufrieden, auch wenn ich einen gewissen Respekt vor dem Landleben und einigen Schwierigkeiten dort pflegte (wie vegetarisches Essen, Sport, Kommunikation etc.).


Die ersten Wochen

Direkt am nächsten Tag gab es einen Stromausfall, sodass ich mit Sam in die Stadt fuhr, um eine Kamera reparieren zu lassen. Die Chance nutzte ich auch direkt, mir lange Hosen zu kaufen, welche im Office angebrachter sind – generell läuft man hier fast immer mit langen Hosen herum, was bei der Hitze anfangs recht unangenehm ist.
Die nächsten Wochen verbrachte ich damit, zögerlich (da ich das noch nie gemacht hatte und nichts falsch machen wollte) etwas an ihrer Facebook und Website zu machen (Aktualisierungen, Posts, Antworten); annual reports, die Policy und die Website durchzulesen und einige kleinere Aufgaben zu übernehmen. Des Öfteren hatte ich dann auch mal nichts zu tun und wenn meine Mentorin und Sam – wie so oft – zu beschäftigt waren, sich um mich zu kümmern, unterhielt ich mich mit den freundlichen „Guards“. Denn es gab stets mindestens eine/n Reinigungskraft/Guard, die oft auch nicht so viel zu tun hatten und mir beispielsweise beim Khmer lernen halfen.
Irgendwann hieß es, dass ich nebenbei, nur wenn ich Lust und Zeit hätte, ein Poster/Banner erstellen könne. Wieder eine Sache, die ich noch nie gemacht hatte, aber an die ich mich gerne setzte. Da ich das jedoch so gut wie möglich mache wollte, entschied ich mich für ein professionelles Programm – InDesign. Das hatte ich mir kurzerhand (wahrscheinlich grenzlegal) auf dem Markt gekauft und machte mich daran, es mir selbst (und mit Hilfe des Internets) beizubringen.
Auf diese Weise hatte ich dann doch immer etwas zu tun, da auch mehr Poster oder Flyer angefragt wurden. So konnte ich übrigens auch von zuhause arbeiten, wenn ich wegen der Verletzung im Bett lag.
Die Sache mit dem Unfall nahm Mlup Baitong total locker und ich wurde oft beschwichtigt, mich erst einmal zu erholen etc. Der Umzug auf die Provinz wurde dann einfach verschoben, bis mein Arzt das OK gab.

Zwischendurch habe ich auch Staff-Meetings/Trainings miterlebt, bei denen auch alle Mitarbeiter *innen aus den Provinzen nach Phnom Penh kamen. Das erste Mal habe ich mich mit vorgefertigten Sätzen auf Khmer vorgestellt und somit einige Sympathiepunkte gesammelt. Die wären jedoch bei diesen wertschätzenden und offenen Menschen gar nicht nötig gewesen, bei denen ich mich stets wohlfühlte. Und es gab bei den Treffen immer leckere Snacks!


Als dann mein Fuß besser wurde und die Zeit kam, in der ich mit Phearin – wenn auch recht spontan – meinen Umzug nach Pursat „plante“, wurde mir bewusst, wie wenig ich denn nun eigentlich weiß über meine kommenden Aufgaben. Nach weiteren kleinen Gesprächen hatte ich nur einen groben Überblick à la: Ich werde ein paar Local Guides in diesem Ökotourismusprojekt unterrichten. Ach ja, und dann noch Kinder, oder Jugendliche, oder so.
Letztendlich stand ich durch ungenaue Antworten meinem Aufbruch nur mit einer ungefähren Ahnung gegenüber. Aber was soll’s, irgendwie wird das schon und vielleicht ist es auch mal ganz gut ein bisschen ins kalte Wasser geworfen zu werden, um Spontanität zu fördern und unvoreingenommen  Erfahrungen zu sammeln, zu beobachten, zu lernen und zu verstehen.

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