Ein spannendes Hin und Her

21. November (bis 22. Dezember)

Euphorisiert von den umwerfenden ersten Eindrücken und noch ziemlich unsicher, wo ich mich jetzt wirklich zuhause fühlen soll, geht es wieder nach Phnom Penh, wo ich altbekannten Luxus genieße. – Ein Badezimmer, kulinarisches Angebot einer Großstadt, Klimaanlage etc.
Denn hier warten ein paar Dinge auf mich, die ich mir nicht entgehen lassen will. Erstens etwas Ruhe und Zeit für mich (zum Beispiel, um Blogeinträge zu schreiben), dann stabiles Internet, da ich unbedingt fürs Unterrichten recherchieren muss und natürlich das Wasserfestival. Letzteres ist eines der großen Feierlichkeiten in Kambodscha, hat besonders in Phnom Penh starke Präsens und spendet großzügig 3 Feiertage, die viele der anderen Freiwilligen für einen Urlaub nutzen.
Nachdem ich mir inoffiziell einen Preis fürs Vergessen des Wohnungsschlüssel überreicht habe, bin ich erleichtert, dass einige Freiwillige noch nicht weg sind, da sie wenigstens den ersten Tag des Spektakels miterleben wollen.

In diesen Tagen erlebe ich Phnom Penh nochmal von einer ganz anderen Seite, lasse mich von riesigen Menschenmassen treiben, probiere mich durch haufenweise Street food, bestaune einen wunderschönen Anblick an der Riverside und bemerkte eine Dreistigkeit, die mich fassungslos macht. Dabei lerne ich außerdem andere deutsche Freiwillige noch einer anderen Organisation besser kennen, aber zu dem Ganzen kommt sicher noch ein Eintrag.

Am Montag geht es dann mit bekannten Gesichtern im Auto des Goverment-Typens bzw. das seiner Frau, die diesmal am Steuer sitzt, wieder auf die Provinz. Ich bin nur etwas verdutzt bzw. skeptisch über den Zufall, dass genau diese Frau (die, des Goverment-Typens, also des Kollegen von Phearin) nun bei meiner NGO angestellt wurde und als Project Assistant Phearin unterstützen wird.
Wir fahren direkt zur Grundschule meines Dorfes, dessen Schulleiter sich zu meiner Freude bei mir gemeldet hatte, bevor ich nach Phnom Penh fuhr. Ich bin guter Dinge, dass meine Ideen (zum Beispiel auch direkt Lehrer zu unterrichten, um die Sache nachhaltiger zu gestalten oder die Kinder etwas aufzuteilen und den Unterricht von unter meinem Haus in Klassenzimmer zu verlegen) nun in Absprache mit Phearin umgesetzt werden können. Der Schulleiter ist nicht da. Naja, dann beim nächsten Mal.
Ich bleibe jedoch sowieso nur bis Donnerstag und somit lebe ich mich gar nicht erst groß ein, verbringe hier jedoch aufgrund des feucht-kühlen Wetters unfassbar angenehme  3 Tage. Die leichte Erkältung nehme ich beim Träumen vom deutschen Winter fast nostalgisch in Kauf.

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Eines der zwei Schulgebäude und der Pausenhof

Nach meiner ersten Fahrt mit dem einzigen Van, der jeden Morgen von Bamnak nach Phnom Penh fährt, findet das erste, eintägige Zwischenseminar statt – der Grund meiner zeitlichen Rückkehr. Brot möchte jetzt wohl schon Feedback bekommen, da momentan die nächsten Freiwilligen ausgesucht werden. Eine Tatsache, die ein komisches Gefühl in uns auslöst… Schon die nächsten Freiwilligen…
Zudem haben wir Gelegenheit mit unseren Mentor*innen der NGOs über unser Wohlbefinden zu reden. Sam vertritt meine Mentorin einmal mehr. Aber ich war sehr froh über sein offenes Ohr, das mein Englisch doch deutlich besser versteht, als Phearin. Ich bin guter Dinge, dass meine geschilderten Anliegen und Ideen so zu ihm durchdringen werden.

Am Wochenende geht es endlich zu dem Event, auf das wir uns (alle Brot und VIA Freiwilligen) schon lange gefreut haben: Die Hochzeit von To‘s Schwester zu der wir eingeladen sind (Hochzeiten sind in Kambodscha eine riesen Sache und auch zu diesen aufregenden Tagen kommt noch mehr). Wir erleben morgendliche Zeremonien – wegen der wir schon am Samstagabend angereist sind – brutzeln mittags in der Hitze und haben abends eine Menge Spaß.

Die „Planung“ der Fahrt zurück auf die Provinz führt dazu, dass ich erst am Mittwoch aus Phnom Penh komme. Jedoch nun endlich mit Mara, einer Master-Studentin aus Eberswalde, die bei Mlup Baitong ein Praktikum macht und mit der ich schon viel früher hätte zusammenarbeiten können, wenn ich nicht vor einigen Wochen der Meinung gewesen wäre, bei voller Fahrt den Asphalt küssen zu wollen. Wir haben schon viel geschrieben und verstehen uns auf Anhieb super, sodass wir die 4 Stunden, die wir später losfahren als „geplant“, einfach durchquatschen.

Als wir in der Grundschule ankommen, ist eigentlich schon alles geklärt, es wird mir nur jetzt mitgeteilt: meine Ideen werden wohl umgesetzt und ich werde tatsächlich die Lehrer unterrichten und abends einen Klassenraum für die Kinder zur Verfügung haben. Außerdem soll es auch endlich damit losgehen, den Guides vom Ökotourismusprojekt Englisch beizubringen, die die vorherigen Wochen irgendwie stets beschäftigt waren.
Doch nicht nur das bereitet mir gute Laune, sondern auch die paar Tage, die ich hier noch mit Mara verbringe. Wir gehen trecken, die Gegend erkunden und machen Ausflüge auf eigene Faust, was nun einmal besonders schön ist, wenn man sich vernünftig versteht. Sprachlich und menschlich. Am Sonntag verabschieden wir uns aber schon wieder, da Mara zurück nach Deutschland fliegt.

Und jetzt geht es richtig los. Ich muss mich erst einmal in einen neuen Alltag einfinden (wenn man das bei den 2 Wochen, die ich bis Weihnachten hier verbringe, so nennen kann). Ich gehe das erste mal Joggen, fahre täglich mit dem Moto durch eine weite Landschaft zum Wasserfall (Ökotourismusprojekt), lerne meine Gastfamilie besser kennen, und, und, und.
Die Weihnachtszeit verpasse ich in diesen Tagen komplett, aber lebe mich hervorragend ein. Zwar läuft oft nicht alles nach Plan, Schülergruppen und Gegebenheiten ändern sich, aber das stört mich inzwischen nicht mehr wirklich. Ich nehme die Dinge, wie sie sind. Denn langsam rückt das Große und Ganze in mein Blickfeld; ich bin hier der erste Freiwillige und somit werde ich erst einmal beobachten, einschätzen und schließlich vielleicht auch noch weitere Ideen einbringen, um das Ganze effizienter zu gestalten.

Und nebenbei erwische ich mich doch dabei, wie ich Weihnachten manchmal entgegenfiebere, das ich gemeinsam mit den anderen Freiwilligen in Phnom Penh verbringen werde. Somit geht es am 22.12. erfrischt durch so anderen Alltag, aber auch mit einer großen Vorfreude auf die kommenden Tage, wieder mit dem Van in die Hauptstadt. Dort warten eine unglaublich schön dekorierte Wohnung und bekannte Gesichter auf mich, die mir die Frage, wo ich mich denn nun eigentlich zuhause fühle, nicht grade leichter machen.

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